Biographie meiner Gegenstände

Schon lange möchte ich ein Stück Prosa schreiben, ohne Blumen und Schmetterlinge, einfach darüber, wie es die emotionelle Migrantin zu sein ist.

Artefakten dieses Zustandes kann ich nicht zusammenfügen, aber das ist ein eigensinniger und wunderschöner Fakt, dass die Gegenstände um mich meine stummen Biografen sind.

Sie speichern die Information und Erlebnisse, die ich erlebt und verteilt habe und nicht mehr finde, aber, weil das Fremdsein mich so interessant stört, versuche ich die Bedeutungen der Gegenstände auszulegen, die von meiner Umgebung in das Öffentlichkeitsmuseum Namens „Ich “ archiviert sind.

Die Decke

Ich habe eine blaue, gestickte Decke, wo die bunten Pfauen tanzen, wenn ich mich darauf setzte. Diese Decke hat mir meine Mutter geschenkt. Sie war ihre Mitgift, aus der Zeit als chinesische und seidene Stoffe am Himmel meiner Heimat rot wehten.

Meine Mutter hat sie unangetastet, als Jungfrau gegeben. „Leg sie auf dein Bett, so etwas kannst du nicht mehr kaufen, sie ist mit der Hand gestrickt. Du kennst den Preis von ihr nicht, vielleicht sagt das seine Mutter, wenn du mir nicht glaubst.“

„Seine Mutter“, also die Mutter meines Freundes hat die Decke noch nicht gesehen, aber ich habe meine Mutter belogen, dass sie die hervorragend fand. Die Mutter meines Freundes kann uns so lieben, ohne Pfauen ist ihre Liebe auch groß, aber meine Mutter kann es nicht, ihr reicht die Liebe ohne Pfauen nicht, weil sie genau so gestrickt ist wie die Decke.

Ich muss zur Bank und zum Bürgerservice. Da wird meine Persönlichkeit geprüft, da werden die Ziffern auf dem Bildschirm meine Emotionen zählen und addieren. Alles stimmt, ich kann jetzt nach Hause gehen und mein Ritual durchführen: die Gesichter der beschäftigten Menschen ausatmen und mich mit meiner blauen Decke, auf der die Pfauen tanzen, eindecken.

Ich habe das Glück eine Tochter von der gestrickten Mutter zu sein und die Flucht, ihre Emotionen die in mir leben, und ohne sie ich nicht leben kann, vor der rationalen Realität, in der ich lebe, schützen zu müssen…

Die Hundstatue

Ich besitze noch eine Statue eines braunen Hundes, der auf dem Fernseher mit offenem Mund und weißen Beinen steht und passt gar nicht in den Zimmerstyle.

Er bewahrt den Mikrokosmos meiner Heimat, in einem fremden Land, in einer fremden Stadt, in einer fremden Straße, in einem fremden Stock und in einem fremden Zimmer.

Er flog tausende Kilometer und hat meine Heimat mitgenommen. Das Wohnzimmer  der Wohnung meiner Eltern, geschmückt mit dem unbewegten alten Geschirr, mit den bunten Vasen und Gläsern, alles ist bedeckt mit dem Staub der Erinnerung.

Die graue Hundfigur erzählt mit seinem offenen Maul die Geschichte, wie mein Opa ihn aus Deutschland mitgebracht hat und mit dem Stolz ihn auf den Tisch gestellt hat, in seiner Wohnung einer „Chruschovka“[1]. Mein Opa war ein Militärarzt und hat diesen Hund aus Deutschland mitgenommen im 1947. Dieser Hund habe ich Deutschland zurückgebracht. Aber das Land braucht solche unpraktische Dinge nicht mehr.

Der Wunsch, die Zeit ohne Sorgen zu verbringen, ist die Sünde, wofür man bestraft wird. Das Imperium der automatischen Ordnung warnt und macht Licht auf jedem Schritt. Wenn du dich trotzdem ausschaltest und dir etwas vergessen erlaubst, dann straft dich die Logik des Systems. Und allerdings hast du keine Erlaubnis für die Rückfrage, nur einen Platz in der Reihe.

Hier ist alles klar, hier wurde schon längst eine Antwort für die sämtliche Fragen gegeben. Falls dir in dieser Reihe ständig wiederholte Ähnlichkeiten nicht passen, dann kannst du dahin gehen, wo du ohne Reihe gebellt hast!

Ich habe trotzdem MIR die letzte Frage zu stellen:

Ist alles relativ?

Bestimmt, außer eigener Biographie und den biographischen Gegenständen.

Die wählt man nicht.

Wie man eigene Eltern und eigene Heimat nicht auswählen kann,

Dabei, das, was man nicht ausgesucht hat, ist das, was man am besten sein kann!

Potsdam, 2007 © Lela Chilingarishvili

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