Barcelona

Bevor ich nach Barcelona flog, habe ich „Stadt der Wunder“ gekauft und begonnen zu lesen. Das Buch des bedeutenden Barcelonesen Autors Eduardo Mendoza ist mit einer Sprache geschrieben, die sich zwischen Ironie und Sarkazmus bewegt; genauso wie das Sujet des Romans – zwischen der Barcelonas Geschichte und Aufstieg eines jungen Mannes zu einem Großkriminellem.

Das Schöne beim Lesen waren die Passagen, die meine Vorstellungskraft bereits mit den Bildern von Barcelona aus dem 19. Jahrhundert bereichert haben.

„Da ihm Pablo mehrmals erklärt hatte, als erstes müsse man in Katalonien das Liceo-Theater zerstören, beschloss Onofre, sich diese so wichtige Sache einmal selbst anzuschauen. „Das Liceo ist wie ein Symbol, vergleichbar dem König in Madrid oder dem Papst in Rom“ hatte Pablo gesagt. „Gott sei Dank haben wir in Katalonien weder einen König noch einen Papst, aber wie haben das Liceo,“ Onofre bezahlte einen seiner Ansicht nach horrenden Eintitspreis, und man hieß ihn durch den Eingang der Unbemittelten gehen. Er betrat das Haus von einem Seitengässchen voller Pferdekutschen und gingen durch das Portikus hinein. Die Frauen musste man fast herunterhieven, und ihre Roben waren so lang, das die Schleppen immer noch aus den Fiakern rauschten, wenn sie selbst schon lang in der Glastür verschwunden waren, so dass man hätte glauben können, ein Reptil besuche die Oper. Er musste unzählige Treppen hochsteigen, bis er schwer atmend an einen Ort kam, wo es als einzige Sitzgelegenheit eine lange Eisenbank gab…“(S. 124)…

So stellte ich mir Mendozas Barcelona, die Stadt der Patrioten, Ganoven, Gläubigen, Anarchisten, Kriminellen, Künstlern, Visioneren, Armen und Reichen im 19. Jahrhundert vor.

Am Freitag 15.02.2019 erwartete uns aber die Stadt der Wunder mit einem fantastischen Wetter, mit den sonnigen Mandarinen und 200.000 Demonstranten für Katalanischen Unabhängigkeitskämpfer, mit den lässigen, lächelnden und entspannten Menschen in Kneipen von Barceloneta, mit dem in der Stadt zerstreuten Genie Gaudis und leckersten Tapas, aromatischen Weine und charmanten Menschen, die für die Komplimente und für die netten Gespräche nicht tief in die Hose greifen müssen.

Ein Gedanke zu „Barcelona

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